Moskau am Abend des 10.10.2015
Startseite » Neuigkeiten » 

Поехали! 34 österreichische Russisten in Smolensk


Erstmals fand das Russischlehrerseminar in Russland statt. Das ermöglichte eine größere Vielfalt von Vorträgen auf Russisch, eine Einbettung in russischsprachiges  Milieu und eine vertiefte Landeskunde vor Ort. Das Interesse der Medien in Smolensk war stark, mehrere Interviews für Zeitungen, Radiio und Fernsehen zeigten die   Bedeutung des Seminars für eine vertiefte Landeskunde. Gleichzeitig konnten durch Treffen mit Lehrern vor Ort Kontakte für Schüleraustauschprogramme geknüpft werden. Didaktische und praktische Unterrichtsfragen wurden auf dem Stand moderner Methodik behandelt. 

Am Sonntag, 26. August 2018, starteten 34 österreichische Russisten in eine aufregende und vielversprechende Fortbildungswoche an die Universität von Smolensk, Russland. 

Fernsehbericht: http://gtrksmolensk.ru/news/v-smolenske-startoval-rossijsko-avstrijskij-obrazo/

Website der Smolensker Universität: http://www.smolgu.ru/news_univer/kursy_povysheniya_kvalifikacii_dlya_avstrijskih_prepodavatelej/

Kollegen aus allen österreichischen Bundesländern und eine Kollegin aus Meran. Südtirol, trafen sich am Flugplatz Domodedowo von Moskau, freundlicherweise war ein Bustransfer organsiert worden, und spät abends trafen wir in Smolensk ein. Die meisten von uns wurden im Universitätshotel einquartiert und die Zimmer übertrafen bei weitem die Erwartungen. 

Die Universität hatte auch die Verpflegung in der Mensa organsiert, es gab einen großen Tisch für uns alle. Besten Dank für das stets sehr gute Essen, den netten Service und die liebevolle Gestaltung unseres Tisches. 

Am Montag wurde uns eine Eröffnung, wirklich exzellent!, mit russischen Liedern und Volkstänzen geboten, von Studenten der Smolensker Universität. Eine überaus interessante und leidenschaftlich vorgetragene Vorlesung über die Geschichte und die Genies des Landkreises Smolensk begann gleich danach. 

Das Programm war die ganze Woche hindurch sehr gedrängt, man wollte uns so viel wie möglich mitgeben. Ich spreche sicher im Namen aller, dass dies auch gelang. In einer Führung zu Fuß wurde uns die Stadt gezeigt. In einer Vorlesung sprach man über Sportmetaphern in der russischen Sprache, in einer anderen über die Umsetzung von Märchen und ihren Einsatz im Russischunterricht.  Am 28.8., man feierte das Fest Maria Himmelfahrt der Orthodoxen Kirche, führte uns ein Professor für Geschichte der Universität zu den hinstorischen Gebäude, welche im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört worden waren. Wir besuchten wir die Kathedrale von Smolensk. Ich war beeindruckt von der tiefen Gläubigkeit der Menschen und auch vom Glockenspiel, welches das Abendgebet um 18.00 Uhr einläutete. 

Wir besuchten das orthodoxe Gymnasium von Smolensk, Schüler empfingen uns mit einer beeindruckenden Darbietung von Kirchenliedern, anschließend wurde uns das pädagogische Konzept der Schule erklärt. Die kleine private, doch staatlich anerkannte Schule sieht ihre Aufgabe auch darin, nicht orthodox erzogene Jugendliche aufzunehmen, man will sich öffnen und eine möglichst breite weltoffene Bildung bieten, eingebettet in die Tradition der orthodoxen Kirche.

Wir wurden auch in das Ferienlager „Krylatyj“ eingeladen; auch hier zuerst eine ausführliche Vorstellung des pädagogischen Konzepts des Lagers, anschließend 2 Vorlesungen über die russische Schülersprache und über lokale Sprachbilder, Gestik und Redewendungen. Begabte Jugendliche aus der Region Smolensk verbringen 2 Wochen in diesem Lager, den Schülern wird außer naturkundlichen Inhalten auch beigebracht, Führungsqualitäten zu entwickeln, eine Rolle als „Peergroup Leader“ anzunehmen. Die Schüler,die als Schulsprecher und Gruppenleiter in ihren Heimatorten tätig sind, werden in kleinere Gruppen unterteilt und von geprüften Erziehern, Professoren der Universität gezielt gefördert. Natürlich steht viel Tanz und Sport auf dem Programm. Da an diesem Tage eine Gruppe ihren Aufenthalt abschloss, kamen wir in den Genuss einer Vorstellung dieser Schülergruppen. Das Marschieren, Skandieren von (humoristischen) Losungen und Hissen von Fahnen mit Hymne hatten wir nicht erwartet. Das Tanzprogramm war toll. 

Wir waren alle wiederum überwältigt von der russischen Gastfreundschaft, Tee, Kaffee, hausgemachte Säfte, Obst, Torten und „Butterbrody“ wurden serviert und sie wurden uns sogar für den Heimweg mitgegeben. Man zeigte uns, worauf die Smolensker stolz sind. Einige Russischlehrer berichteten von sympathischen Erfahrungen im Supermarkt und Sammeltaxi, weil sich die Bewohner von Smolensk für die Ausländer mit Akzent freundlich interessierten.

Am nächsten Tag hatten wir schließlich vier sehr intensive Vorlesungen: Phonetik, Vorstellung der universitären literarischen Vereinigung "Persona" mit Gedichten, gelesen von den Autoren selbst. Wir besuchten dann am späteren Nachmittag das Zentrum für Volkskunst der Region Smolensk, wo uns neben Volksliedern in Tracht auch der traditionelle Stoffdruck vorgestellt worden war.  Wir durften sogar selbst Hand anlegen, nicht jeder ist als Meister vom Himmel gefallen, aber einige unter uns zeigten großes Talent. 

Am letzten Tag war nach zwei Seminaren über den russischen nationalen Sprachkorpus ruscorpora.ru und einem Runden Tisch mit Direktoren und Lehrern von Smolensker Gymnasien ein Test über das Gelernte angesagt. Da wir fleißig gewesen waren, bestanden alle mit Bravour! Nachdem uns die verdienten Zeugnisse verteilt worden waren, wurden wir in die Mensa zur Abschiedsfeier begleitet. Auf dem Programm standen Sekt, Wein, „Butterbrody“, Mehlspeisen und eine Darbietung des "berühmten Chores" der österreichischen Russischlehrer unter der Leitung von Tamara Topolanek. 

Wir waren alles sehr bewegt und bedankten uns von ganzem Herzen bei der Leitung der Universität, den sehr kompetenten Professoren, dem Organisationsteam unter Roman Beliutin, dem Leiter der Außenabteilung der Universität, und nicht zuletzt beim umsichtigen und sympathischen Mensateam. Wir hoffen wirklich, dass dieser Aufenthalt in Smolensk nicht unser letzter sein wird, dass ein Schüleraustausch zustande kommt, dass ein Lehreraustausch ermöglicht wird.

Die Stadt Smolensk hat mich persönlich durch ihre Ruhe beeindruckt, das Stadtzentrum ist zum großen Teil autofrei, der sehr große Leninplatz ist nur für Fußgänger zugänglich, rundherum gibt es Alleen, Parks und Kinderspielplätze. Alles geht sehr ruhig über die Bühne. 
Am Abend versammelten sich Tausende von Saatkrähen, wahrscheinlich auf ihrer Reise in den Süden, auf den Dächern des Zentrums, plötzlich, aufgeschreckt durch ein Signal, stürmten sie los, umkreisten weit oben die Häuser und Bäume, der Lärm war ohrenbetäubend, nach einiger Zeit setzten sie sich wieder auf die Dächer, Stromleitungen, Kamine und lauerten auf das nächste Signal. 

Es war eine sehr interessante und lehrreiche Woche, ich möchte mich im Namen aller beim Österreichischen Russischlehrerverband, bei der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich und der Staatlichen Universität Smolensk bedanken, die das Seminar vom 26.8.-1.9.2018 mit Unterstützung der Stiftung Russkij Mir durchgeführt hatten. Besonderen Dankan P. Sebastian Hacker. Unzählige E-Mails: Visum, Pass, Flug, die Versicherung, die Schulgenehmigung und zahlreiche andere Probleme, gingen seit März hin und her. Und das Programm übertraf alle Erwartungen.

Durch die Einbettung in das russische Sprachmilieu vor Ort wurde das vorgesehene Programm der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich vertieft wahrgenommen: Themen waren Fragen der Fachdidaktik, Wettbewerbe, Theaterelemente im Unterricht, Arbeiten im Wahlpflichtfach und Pflichtfach, Textarbeit, neue Materialien und Literatur.

Text: Veronika Daprà, Meran




Seite drucken