Ein Schlüssel zur Slawischen Welt
Unsere Schule, die HLW Lipizzanerheimat in Voitsberg, ist seit gut einem Jahr Erasmus+ akkreditiert. Die dadurch zur Verfügung stehenden Gelder unterstützen unsere Schüler:innen darin, in die Welt hinauszugehen und vor allem Europa zu erkunden.
Im Schuljahr 2024/25 lag es für die Französisch Lernenden des Maturajahrgangs nahe mit Erasmus+ nach Frankreich zu reisen. Auf der Suche nach einer geeigneten Reisedestination für die Russischgruppe besannen wir uns auf den „Schlüssel zur slawischen Welt“, den die in der Schule erlernte Fremdsprache Russisch für uns oft darstellt. Wohin könnte eine Reise führen? In welche Kultur, in welche Sprache, in welches Land würde uns der Schlüssel Eintritt gewähren?
Es sollte Polen sein – ein Land, das wohl kaum jemand aus der Klasse auf seiner „Bucket List“ hatte. Die Muttersprache einer Schülerin und der Wunsch nach einem „slawischen Reiseerlebnis“ beflügelten unsere Fantasie und ließen eine wundervolle Reise entstehen, über viele Brücken, bis zur Ostsee und quer durchs Land der Weichsel. Aus der momentanen Unmöglichkeit Schulreisen nach Russland zu unternehmen, entstanden so viele neue Möglichkeiten, an die wir nie gedacht hätten.
Von 16. bis 23. September 2024 nutzte die Russischgruppe des V. Jahrgangs das spätsommerliche, wundervolle Wetter um das weitestgehend unbekannte Polen zu erkunden und kennenzulernen. Neben der bereichernden Erasmus+ Arbeit mit und in der Schule „Szkoła Podstawowa im. Unii Europejskiej w Przywidzu“ standen die Erkundung von Danzig und Umgebung, ein Ostseebesuch, sowie Aufenthalte in den Städten Katowice, Auschwitz, Krakau, Zator – Energylandia, Olmütz und Brno am Reiseplan.
Das zentrale Anliegen der Reise stellte die Erasmus+ Zusammenarbeit in dem kleinen Ort Przywidz, gelegen an einem See ca. 30 km südwestlich von Danzig in dem Landstrich „Kaschubien“, dar. Die Schülerinnen und Schüler arbeiteten über mehrere Tage gemeinsam zum Thema „Building bridges“. Zusammen wurde gesungen, getanzt, gelacht, es wurden Pierogi gekocht und verkostet, traditionelle Kostüme vorgestellt, kaschubische Instrumente ausprobiert, eine Brücke hergestellt zwischen den Schülerinnen und Schülern, zwischen älteren und jüngeren, zwischen Österreich und Polen.
Einen großartigen Output dieses Projektes stellt das von Mag. Elisabeth Pleschberger getextete und komponierte Lied „Let us build a bridge“ dar. Zu hören auf Spotify (Hadimulli | Let us build a bridge) und hier youtu.be . Dieses Lied und sein eingehender und vielsagender Text begleiteten uns durch Polen. „Building brigdes“ - ein sehr schönes und ergiebiges Thema, das auf mehreren Ebenen im Laufe des Schuljahres immer wieder auftauchte.
Eine Brücke in die Vergangenheit wurde bei unserem Aufenthalt in Auschwitz hergestellt. Begleitet wurden wir von einer professionellen Museumspädagogin, die ihr Handwerk sehr gut verstand. Mit viel Feingefühl führte sie uns durch die ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz und Birkenau. Sehr eindrucksvoll vermittelte sie die grausamen Facetten des Holocaust. Ein Eindruck, der bleibt und bleiben soll, denn, wie George Santayana mit einer Inschrift in Auschwitz zitiert wird: „Those who do not remember the past are condemned to repeat it.“ Diese Brücke in die Vergangenheit nahmen wir Anfang November auch zum Anlass, um eine Wanderausstellung des BMBWF in Kooperation mit dem OeAD an unserer Schule gastieren zu lassen. Unter dem Titel „darüber sprechen“ wurden die Erfahrungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in den Mittelpunkt und das Interesse der Schüler gestellt.
Mag. Elisabeth Pleschberger schrieb das Lied „Hinter den Gleisen“ als eine Verarbeitung der Eindrücke, Bilder und Informationen, die uns in Auschwitz begegneten. Nachdem das Lied im Studio aufgenommen wurde, haben einige Schülerinnen der HLW Lipizzanerheimat das Lied mit ihren Stimmen bereichert. Veröffentlicht wurde es am 27. Jänner 2025 anlässlich der Befreiung von Auschwitz, die sich zum 80. Mal jährte. Zu hören auf Spotify (Hadimulli | Hinter den Gleisen) oder hier youtu.be.
Viele Brücken begleiteten uns auf den beinahe 3000 km durch Polen und Tschechien. Der Fluss Weichsel / Wisła wurde mehrfach gekreuzt, an der Ostseemündung besucht und auch bei unserem zweitägigen Aufenthalt in Krakau wich er nicht von unserer Seite.
Danzig und Krakau – zwei polnische Städte, die ihresgleichen suchen. Wunderschön und auf jeden Fall mindestens (noch) einen Besuch wert!
Vieles gäbe es noch zu berichten zu den wundervollen Stationen auf unserem Weg. Dankbar, mit der russischen Sprache einen wertvollen Schlüssel in Händen zu tragen, träumen wir schon von den nächsten Brücken, die wir bauen, und den nächsten Erlebnissen, die der Schlüssel uns ermöglichen wird.
Mag. Christine Fritzer
Stationen auf unserem Weg
- Olmütz – Olomouc
- kleiner Stadtrundgang und (Bücher)Shopping für die Schüler:innen
- Kattowitz – Katowice
- 1. Nacht mit spannendem „Escape-Room-Check-In“
- Auschwitz – Oświęcim
- Birkenau – Brzezinka
- 3-stündige Führung und Besichtigung
- Danzig – Gdansk
- alte Hansestadt ganz im Norden Polens an der Ostsee
- 3 Nächte im World Hostel Old Town
- Wunderschöne Altstadt, die im 2. WK fast zur Gänze zerstört wurde, doch mit viel Gespür beinahe originalgetreu wieder aufgebaut wurde
- Murale Gdansk /Modern Gdansk im Stadtviertel Zaspa – über 50 hochhaushohe Streetart Wandmalereien die zum Staunen einladen
- Przywidz
- Standort der Schule „Szkoła Podstawowa im. Unii Europejskiej w Przywidzu“
- Erasmus+ Projektzusammenarbeit „Building Bridges“
- Zoppot – Sopot
- Kleines Städtchen direkt an der Ostsee
Strandspaziergang, Sprung ins Wasser - Krakau – Kraków
- beeindruckende Altstadt
- Koscheres Abendessen mit Klezmerkonzert im jüdischen Viertel Kazimierz
- Beeindruckende Tour unter Tage im Salzbergwerk Wieliczka – Kopalnia Soli Wieliczka
- Zator
- Energylandia
- Vergnügungspark mit Wahnsinns Achterbahnen und riesigem Spaßfaktor
- Brünn – Brno
- Letzter Zwischenstopp vor dem Heimfahren
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